Wenn über die Stromversorgung der Zukunft gesprochen wird, fällt schnell ein Begriff: Gaskraftwerke. Die Idee klingt zunächst logisch. Wenn Wind und Sonne gerade nicht genug Strom liefern, sollen flexible Kraftwerke einspringen und die Stromversorgung sichern. Genau deshalb spielen neue Gaskraftwerke in der aktuellen Debatte um die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Die ausgewertete Studie verweist auf geplante Ausschreibungen über 12 Gigawatt neue steuerbare Leistung, davon 10 Gigawatt Langfristkapazitäten, die nach Darstellung der Studie vor allem durch Erdgaskraftwerke bereitgestellt werden sollen.
Auf den ersten Blick klingt das nach einer pragmatischen Lösung. Auf den zweiten Blick stellt sich aber eine entscheidende Frage: Wie teuer ist Strom aus Erdgas wirklich? Genau hier wird es spannend. Denn die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass neue Gaskraftwerke deutlich teurer sein könnten, als viele Menschen vermuten. Für ein neu gebautes 500-MW-Gaskraftwerk mit 1.000 Volllaststunden pro Jahr errechnet sie Stromgestehungskosten von rund 23 Cent pro Kilowattstunde. Werden zusätzlich nicht eingepreiste Klimakosten berücksichtigt, steigen die gesamtgesellschaftlichen Kosten sogar auf 35 bis 67 Cent pro Kilowattstunde.
Warum das Thema uns alle betrifft
Das Thema ist nicht nur etwas für Energiepolitiker oder Branchenexperten. Es betrifft letztlich auch Verbraucher und Unternehmen. Denn wenn neue Gaskraftwerke gebaut und gefördert werden, geht es nicht nur um Versorgungssicherheit, sondern auch um die Frage, wer die Kosten am Ende trägt. Laut Studie sollen die Förderungen über eine Umlage auf den Stromverbrauch finanziert werden. Frühere Berechnungen für ähnliche Pläne gingen dabei bereits von mindestens 0,6 Cent pro kWh aus.
Für normale Stromkunden heißt das: Selbst wenn ein Gaskraftwerk nicht ständig läuft, kann es den Strompreis trotzdem beeinflussen. Besonders in Stunden, in denen erneuerbare Energien nicht ausreichen, können solche Kraftwerke preissetzend sein. Dann zählen vor allem Brennstoffpreis und CO₂-Kosten. Auch deshalb ist die Debatte um Erdgas am Ende keine rein technische Frage, sondern eine ganz praktische Kostenfrage.
Was genau in der Studie berechnet wurde
Die Studie arbeitet mit einem konkreten Referenzfall: einem neu errichteten Gasturbinenkraftwerk mit 500 MW Leistung, einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer von 15 Jahren und 1.000 Volllaststunden pro Jahr. Die begrenzte Laufzeit wird damit begründet, dass ein Weiterbetrieb über 2045 hinaus nicht mit dem Ziel der Klimaneutralität vereinbar wäre. Das Kraftwerk wird also ausdrücklich nicht als Dauerläufer verstanden, sondern als flexible Backup-Kapazität für Engpasszeiten und Dunkelflauten.
Unter diesen Annahmen ergeben sich im Referenzfall direkt sichtbare Stromgestehungskosten von rund 23 Cent pro kWh. Steigt der CO₂-Preis im Szenario auf 150 Euro je Tonne, erhöht sich dieser Wert auf etwa 28 Cent pro kWh. Schon das ist eine Hausnummer – vor allem für eine Technologie, die oft als notwendige und vermeintlich günstige Absicherung dargestellt wird.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn zusätzlich die nicht über den CO₂-Preis abgedeckten Klimaschäden berücksichtigt werden. Dann steigen die gesamtgesellschaftlichen Kosten laut Studie auf etwa 35 Cent pro kWh bei einem niedrigeren Klimakostensatz und auf rund 67 Cent pro kWh bei einem höheren Ansatz. Anders gesagt: Die sichtbaren Kosten sind nur ein Teil des Gesamtbildes.
Erdgas bleibt ein Preisrisiko
Ein weiterer Punkt der Studie ist das Preisrisiko von Erdgas. Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass Erdgas oft als günstig dargestellt wird, obwohl die Preisentwicklung alles andere als sicher ist. Gerade die Energiepreiskrise habe gezeigt, wie stark die Brennstoffkosten innerhalb kurzer Zeit steigen können. Für ein Hochpreisszenario mit Erdgaspreisen auf Krisenniveau berechnet die Studie Stromgestehungskosten von 48 bis 53 Cent pro kWh.
Für Leser ist das besonders wichtig, weil damit klar wird: Gaskraftwerke sind nicht automatisch ein günstiger Sicherheitsanker. Sie hängen an einem Brennstoff, dessen Preis stark durch internationale Märkte und politische Krisen beeinflusst wird. Genau das macht Erdgas als langfristige Lösung so problematisch.
Warum die Klimabilanz von Erdgas oft zu kurz gedacht wird
Viele Menschen verbinden Erdgas noch immer mit dem Bild einer vergleichsweise sauberen Brückentechnologie. Die Studie widerspricht dieser vereinfachten Sicht. Sie verweist darauf, dass nicht nur die Emissionen im Kraftwerk selbst zählen, sondern auch die Emissionen entlang der gesamten Lieferkette. Eine wichtige Rolle spielen dabei Methanemissionen bei Förderung, Verarbeitung und Transport. Genau diese Vorkettenemissionen können die Klimabilanz von Erdgas deutlich verschlechtern.
Das ist ein zentraler Punkt: Wer nur auf die direkten Emissionen im Kraftwerk schaut, unterschätzt womöglich die tatsächlichen Klimafolgen. Deshalb trennt die Studie konsequent zwischen direkten Betreiberkosten und gesamtgesellschaftlichen Kosten. Und genau dadurch fällt ihr Ergebnis deutlich kritischer aus als viele einfache Kostenvergleiche.
Gibt es Alternativen zu neuen Gaskraftwerken?
Ja – und die Studie nennt mehrere Optionen. Dazu gehören grüner Wasserstoff, Bioenergie, Großbatteriespeicher, Wasserkraft-Flexibilisierung und Lastmanagement. Der entscheidende Punkt dabei ist nicht, dass eine einzelne Technologie alle Probleme allein löst. Entscheidend ist, dass Versorgungssicherheit offenbar auch mit anderen, klimafreundlicheren Optionen möglich ist.
Besonders interessant ist das Thema Lastmanagement. Gemeint ist damit, Stromverbrauch flexibler zu verschieben – zum Beispiel bei Wärmepumpen, Elektroautos oder in Unternehmen. Allein in der Wirtschaft sieht die Studie Potenziale von rund 6 bis 21 Gigawatt. Auch Speicher werden als relevante Option genannt. Bei grünem Wasserstoff verweist die Studie auf externe Berechnungen mit 23,5 Cent pro kWh für das Zieljahr 2037, betont aber zugleich, dass die Unsicherheiten hier noch groß sind.
Was man aus der Studie mitnehmen kann
Die Botschaft der Studie ist nicht, dass Versorgungssicherheit unwichtig wäre. Im Gegenteil: Sie ist wichtig. Aber die Studie legt nahe, dass man beim Vergleich verschiedener Technologien nicht nur auf die direkten Betreiberkosten schauen sollte, sondern auf die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten. Genau daraus leitet sie auch ihre politische Empfehlung ab: Der Einsatz von Gaskraftwerken sollte mit Blick auf die Klimaziele auf das notwendige Maß begrenzt werden.
Für uns als Leser lässt sich das ziemlich einfach zusammenfassen: Neue Gaskraftwerke können zwar helfen, Lücken in der Stromversorgung abzusichern. Billig sind sie deshalb aber noch lange nicht. Und je nachdem, wie sich Gaspreise und Klimakosten entwickeln, kann Erdgas als Stromquelle deutlich teurer werden, als viele denken.
Fazit
Gaskraftwerke werden in der politischen Debatte oft als flexible Reserve für schwierige Zeiten beschrieben. Die Studie zeigt aber, dass diese Reserve einen hohen Preis haben kann. Schon die direkt sichtbaren Stromgestehungskosten liegen im Referenzfall bei rund 23 bis 28 Cent pro kWh. Rechnet man die nicht eingepreisten Klimafolgen mit ein, landet man sogar bei 35 bis 67 Cent pro kWh. Im Krisenfall können die Kosten noch deutlich höher ausfallen.
Wer über Versorgungssicherheit spricht, sollte deshalb nicht nur fragen, ob neue Kraftwerke gebaut werden sollen, sondern auch welche Technologie langfristig sinnvoll ist. Die Studie legt nahe, dass Erdgas dafür zwar eine mögliche, aber eben auch eine teure und klimapolitisch problematische Option ist.
FAQ zu Strom aus Erdgas Kosten
Ist Strom aus Erdgas laut Studie teuer?
Ja. Für ein neues Gaskraftwerk liegen die direkt sichtbaren Stromgestehungskosten laut Studie bei rund 23 Cent pro kWh. Mit zusätzlichen Klimakosten steigt der Wert auf 35 bis 67 Cent pro kWh.
Warum gelten Gaskraftwerke trotzdem als wichtig?
Weil sie flexibel einspringen können, wenn Wind- und Solarstrom zeitweise nicht ausreichen. Genau deshalb spielen sie in den aktuellen Plänen zur Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle.
Können neue Gaskraftwerke den Strompreis beeinflussen?
Ja. In Stunden mit wenig Strom aus erneuerbaren Energien können sie den Börsenstrompreis mitbestimmen. Zusätzlich könnten Förderkosten künftig über Umlagen finanziert werden.
Welche Alternativen nennt die Studie?
Unter anderem grünen Wasserstoff, Bioenergie, Großbatteriespeicher, Wasserkraft-Flexibilisierung und Lastmanagement.
Ist Erdgas eine saubere Brückentechnologie?
So einfach ist es nicht. Die Studie verweist auf zusätzliche Klimawirkungen entlang der Lieferkette, insbesondere durch Methanemissionen.
FAQ für den Beitrag
Unter anderem grünen Wasserstoff, Bioenergie, Großbatteriespeicher, Wasserkraft-Flexibilisierung und Lastmanagement.
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