PV-Ertrag verstehen: kWp, kWh, Eigen­verbrauch und Autarkie

Wie viel Solarstrom eine Anlage erzeugt und wie viel davon im Haus genutzt wird, sind zwei unterschiedliche Fragen. Dieser Ratgeber erklärt die Größen in einer Ertragsrechnung und zeigt, welche Angaben du für einen Angebotsvergleich brauchst. Er ergänzt die PV-Planungshilfe und die technischen Grundlagen.

Alle folgenden Zahlenbeispiele sind frei gewählte Annahmen. Sie sind weder Messwerte von e-infos.de noch Standortprognosen oder aktuelle Tarifangebote.

kWp ist eine Nennleistung, kWh ist eine Energiemenge

Die Nennleistung einer PV-Anlage wird häufig in kWp angegeben. Der Ertrag bezeichnet dagegen die erzeugte Energie über einen Zeitraum, beispielsweise in kWh pro Jahr. Für einen Vergleich kann man den Jahresertrag zusätzlich auf die installierte Nennleistung beziehen.

Rechenbeispiel: Angenommene 8.000 kWh Jahresertrag bei 8 kWp ergeben 1.000 kWh je kWp und Jahr. Der Quotient erklärt die Rechnung, bestätigt aber keinen typischen oder garantierten Ertrag für deinen Standort.

Welche Annahmen in eine Ertragsprognose gehören

  • Standort und verwendete Wetter- beziehungsweise Einstrahlungsdaten.
  • Ausrichtung, Neigung und Aufteilung der belegten Flächen.
  • Verschattung und die Frage, welche Hindernisse berücksichtigt wurden.
  • Installierte Nennleistung, Komponenten und angenommene Systemverluste.
  • Eine zeitliche Auflösung, die zur Fragestellung passt: Jahres-, Monats- oder Stundenwerte.

PVGIS ist ein Werkzeug des Joint Research Centre der Europäischen Kommission für die Abschätzung von Solarerträgen. Seine Dokumentation erläutert Eingaben und Ergebnisse. Eine Modellrechnung ersetzt keine Prüfung des konkreten Dachs und des Anlagenangebots.

Lass dir die Annahmen einer Anbieterprognose zeigen. Ein höherer genannter Ertrag ist kein Vorteil, wenn er nur auf günstigeren Eingangswerten beruht. Eine Jahreszahl allein beantwortet auch nicht, wie sich die Erzeugung über deine Nutzungszeiten verteilt.

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad unterscheiden

Eigenverbrauchsquote: Welcher Anteil der PV-Erzeugung wird selbst genutzt? Autarkiegrad: Welcher Anteil des eigenen Stromverbrauchs wird durch die eigene Anlage gedeckt? Die Bezugsgrößen sind verschieden.

Beispiel ohne Speicher: Eine angenommene Anlage erzeugt 8.000 kWh im Jahr. Davon werden 2.000 kWh im Haus genutzt und 6.000 kWh eingespeist. Bei insgesamt 4.000 kWh Hausverbrauch ergibt das 25 % Eigenverbrauchsquote und 50 % Autarkiegrad. Trotz hoher Jahreserzeugung müssen weitere 2.000 kWh aus dem Netz bezogen werden.

Mit Speicher muss die Bilanz zusätzlich Lade- und Entladeverluste berücksichtigen. Prüfe deshalb bei unterschiedlichen Angeboten, an welcher Stelle die Energiemengen gemessen oder berechnet werden. Gleich benannte Kennzahlen können sonst unterschiedliche Bezugsbasen haben.

Was ein anderer Verbrauchszeitpunkt verändert

Wenn ein Verbraucher Energie zu einer Zeit benötigt, in der ein sonst eingespeister Überschuss vorhanden ist, kann sich die direkte Nutzung erhöhen. Ein E-Auto, das tagsüber unterwegs ist, nutzt den Mittagsertrag nicht unmittelbar. Für das Ergebnis zählen deshalb Standzeiten und tatsächlicher Energiebedarf, nicht nur die Wallboxleistung.

Was diese Ladezeiten für deinen Geldbeutel bedeuten, kannst du im Ladekostenrechner für Solarüberschuss und Netzstrom ausprobieren. Der Solaranteil bezieht sich dort auf die Ladeenergie des Autos und ist weder die Eigenverbrauchsquote noch der Autarkiegrad des Hauses.

Ein Speicher kann einen Teil der Überschüsse verschieben. Ein Energiemanagement kann geeignete Verbraucher koordinieren. Ob sich die Zusatztechnik lohnt, muss gegen ihre Kosten, Grenzen und Verluste geprüft werden. Weiterführend: Speichergrundlagen und PV-Überschussladen planen.

Ein angeschlossenes, dafür freigegebenes E-Auto kann zusätzlich Solarstrom für die spätere Hausversorgung bereitstellen. Wie viel davon im Alltag nutzbar ist, hängt auch von Fahrreserve und Standzeiten ab. Unser Ratgeber zu V2H und dem E-Auto als Hausspeicher verbindet diese Möglichkeiten mit einer nachvollziehbaren Beispielrechnung.

Den finanziellen Nutzen getrennt vom Ertrag betrachten

Für eine Anlage mit Eigenverbrauch sind vermiedener Netzbezug und Einspeisung getrennte Beiträge. Die eingespeiste Energiemenge darf nicht zusätzlich als vermiedener Stromkauf gezählt werden. Die geltende Vergütung hängt unter anderem vom Inbetriebnahmezeitpunkt und der Anlagenkonfiguration ab; die Bundesnetzagentur veröffentlicht die Fördersätze.

Vereinfachtes Beispiel: 2.000 kWh selbst genutzter Strom × angenommene 0,30 €/kWh ergeben 600 €. 6.000 kWh Einspeisung × angenommene 0,08 €/kWh ergeben 480 €. Zusammen sind das 1.080 € vor laufenden Kosten, Finanzierung und Ersatzinvestitionen. Ob eine Anschaffung damit wirtschaftlich ist, sagt die Summe allein nicht.

Vier Fragen für deinen Angebotsvergleich

  1. Welche Erzeugung wird pro Monat erwartet und mit welchen Standortannahmen?
  2. Welche eigenen Verbrauchsdaten begründen den angesetzten Eigenverbrauch?
  3. Wie ändert sich das Ergebnis ohne Speicher oder mit anderen Ladezeiten?
  4. Welche Kosten und Risiken fehlen noch in der dargestellten Ersparnis?

Mit diesen Angaben lässt sich ein Angebot prüfen, ohne eine einzelne Jahreszahl mit gesicherter Ersparnis zu verwechseln. Zur vollständigen Checkliste für die PV-Planung.

Weiterführende Literatur

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